Brotzeit im Grünen. Obatzda!

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…im Zweifelsfall die Braut. Der Herbst ist längst da, trotzdem werde ich euch eine kleine Sommergeschichte unterjubeln. Eine liebe Freundin hat im August geheiratet und wie sich das gehört, musste ein angemessener Junggesellinnenabschied her: Ein Wochenende, acht Frauen, eine Berghütte. Moment, da war doch was?!

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Da sich nicht nur mir beim Gedanken an pinke Motto-Shirts, Fußgängerzonenspiele und Kneipentour die Haare sträuben, wird ein Junggesellinnen-Alternativplan aufgestellt. Ein Berg soll bestiegen werden – und zwar in traditioneller Kluft. Mit Dirndl, Mundharmonika, Liederbuch, Schnupftabak {uäähh} und ausreichend Spirituosen im Gepäck. Die zukünftige Braut wird frühmorgens – praktisch unwissend – mit der VW-Reisebus-Limousine überrascht. Ein Rucksack mit Knickerbocker, Karobluse, Kniestrümpfen und – ganz wichtig – Hut! – ist bereits von uns gepackt worden… husch husch vom Bräutigam verabschieden und ab geht die wilde Fahrt in ein geniales Hüttenwochenende

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Strahlender Sonnenschein, Bergluft, Musikeinlage, Steinschleuderzielschießen, daraus resultierende Lachanfälle und ein Zwischenstop am See, Herz was willst du mehr… na klar, ’ne gscheide Brotzeit! Weil ein Junggesellinnenabschied auch Trinkfestigkeit voraussetzt, ist eine gute Grundlage quasi unentbehrlich. Aufgetischt werden: Selbst gebackenes Brot, Pistazien-Lauch-Muffins, Gurkenschnitze, Rispentomaten, hartgekochte Eier und Trauben-Käse-Spießchen. Für das bayerische Brotzeitfeeling dürfen auf keinen Fall Brezn, Radieschen und Obatzda fehlen.

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Mooment, wer oder was ist denn bitte Obatzda? Darf ich vorstellen, ein wenig urbayerisches Kulturgut. Zu Deutsch wohl schlicht als „Vermischter“ bzw.  „Angedrückter“ zu bezeichnen, konnte ich die üppige Käsecreme mit Zwiebeln als Kind absolut nicht ausstehen. Und das, obwohl meine Mama den besten Obatzda der Welt macht. Zum Glück hat sich das kulinarische Blatt gewendet und ich kann euch das Obatzdafamilienrezept verraten… Zu verdanken haben wir des Bayern liebsten Biergartenaufstrich übrigens der ehemaligen Wirtin des Freisinger Bräustüberls auf dem Weihenstephaner Berg. Jawoll.

Spätestens der Nachtisch in Form von super schokoladigen Brownies {huhu Irene, endlich bin ich dazu gekommen sie nachzubacken} sorgt für Substanz im Magen. Und auf den Hüften.

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Steht ihr außerdem auch so auf Lauch wie ich? Der passt einfach überall rein, in Aufläufe, Suppen, Rührei, Curry, auf Flammkuchen oder Pizza… und auch in salzigen Muffins schmeckt er wunderbar. Das einzig was mich manchmal nervt ist die Erde, die sich garantiert bis ins Innerste jeder Lauchstange vorarbeitet. Da hilft der Länge nach aufschlitzen und kurz mit Wasser drüberbrausen. Aber nun genug der Plaudereien… ihr wollt Rezepte sehen, gebt’s zu!

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Pistazien-Lauch Muffins {12 Stück} nach yes, i want cake

240g helles Weizen- oder Dinkelmehl | 1 TL Salz | 1 TL Backpulver | 2 Eier | 3 EL Butter, geschmolzen | 350ml Milch | 2 Stangen Lauch, gewaschen und in dünne Ringe geschnitten {bei mir nur eine, dafür überdimensional dicke Stange} | 2 EL Olivenöl | 100g geschälte, naturbelassene Pistazien, gehackt {oder die gerösteten & gesalzenen Knabberpistazien selber schälen, dann wird’s viel herzhafter} | Schwarzer Pfeffer aus der Mühle

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Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen, Lauch dazugeben und 4-5 min bei ordentlicher Hitze sautieren {ich habe tatsächlich „sautieren“ geschrieben. :D Für alle ohne Fremdwortfetisch: Kurz und scharf anbraten, ohne Flüssigkeitszugabe, unter ständigem Schwenken}. Beiseite stellen.
Den Backofen auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen, Papierförmchen ins Muffinblech stellen.

Alle trockenen Zutaten in einer Schüssel gut vermischen. In einer zweiten, kleineren Schüssel die Eier mit geschmolzener Butter und Milch verquirlen. Die feuchten Zutaten zur Mehlmischung geben und kurz unterrühren. Pfeffern. Lauch und die Hälfte der Pistazien locker unterheben.

Teig gleichmäßig in den Förmchen verteilen, mit den restlichen Pistazien bestreuen und ab damit in den heißen Ofen. Nach 20-25 min sind die Muffins fertig, Stäbchenprobe nicht vergessen. 5 min in der Form auskühlen lassen, erst dann vorsichtig herauslösen und vollständig abkühlen lassen.

Mamas Obatzda {reicht für eine große Brotzeitrunde}

250g Camenbert {55% Fett i. d. Tr.} | 200g Frischkäse | 80g weiche Butter | ½ Gemüsezwiebel, fein gewürfelt | Paprika edelsüß | Cayenne-Pfeffer | Salz | Pfeffer aus der Mühle | Kümmel nach Belieben | Schnittlauch

Camenbert klein würfeln und ihm anschließend mit einer Gabel den Rest geben. Butter und Frischkäse mit dem Handrührgerät glatt und cremig rühren, Camenbert und Zwiebeln unterrühren. Mit Paprikapulver, Cayenne, Salz und Pfeffer würzen,. Gründlich abschmecken, es kann ruhig kräftig sein, kommt ja schließlich auf’s Brot. Wer mag fügt noch gemahlenen oder ganzen Kümmel hinzu und bestreut die Creme vor dem Servieren mit frischen Schnittlauchröllchen. Bis es soweit ist bevorzugt der Obatzde einen mindestens einstündigen Aufenthalt im Kühlschrank, wo er sich außerdem ein, zwei Tage einwandfrei hält.

Salted-Macadamia-Chocolate-Brownies, inspiriert von Widmatt

200g Lieblings-Zartbitterschokolade {die Gute!} | 200g Butter | 5 Eier | 300g Zucker | 200g Mehl | 100g Kakaopulver | 1 Päckchen Bourbon-Vanillezucker | 200g Macadamianüsse, geröstet & gesalzen, grob gehackt | ½ TL Salz

Den Backofen auf 170°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Butter zusammen mit Zartbitterschokolade im Wasserbad schmelzen. Zucker mit Eiern weiß-schaumig schlagen, das dauert ein wenig, nur Geduld. Die abgekühlte Butter-Schoki-Mischung langsam dazugeben, ständig weiterrühren. Anschließend Mehl, Kakao, Vanillezucker und Salz unterrühren. Zum Schluss die gehackten Macadamianüsse dazugeben.

Den Teig in eine mit Backpapier ausgekleidete Rechteckform geben, sie sollte mindestens 24x24cm groß sein. Nach 30min die erste Stäbchenprobe machen, kommt das Stäbchen fast komplett trocken mit einem kleinen Rest zäh-klebrigem Teig wieder heraus, sind die Brownies perfekt. Ansonsten weiterbacken, bis dieser Zustand erreicht ist. Nicht überbacken!! Keine Angst, sie setzen sich beim Auskühlen noch und werden kompakter. Ich stelle sie am liebsten auch noch für ein Stündchen in den Kühlschrank… Viel Glück beim Versuch, nur ein kleines Stückchen zu probieren…

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23 Kommentare

  1. Juhuu, Frölein Kokosnuss scheint wieder der guten alten Blogo-Manie verfallen zu sein :) Ich freue mich! Beim Betrachten des Titelbildes sind mir natürlich als erstes gleich die Muffins ins Auge gestochen. Darin habe ich ja jetzt so was ähnliches wie Erfahrung :D Pistazien-Lauch! Wow! Begeisterung!! Kommt sowas von auf meine neu geschaffene „Muffin-Nachback-Liste“!

    Zu Obatzda: vor vielen vielen Jahren habe ich zum ersten Mal im Leben von Obatzda gelesen. Gelesen und sofort gewusst, dass mir das unglaublich gut schmecken würde. Und jetzt rat mal: ob du’s glaubst oder nicht, bis heute habe ich es noch nie geschafft diese Käsecreme jemals irgendwo zu probieren geschweige selber zuzubereiten… Ganz schlimm! Dein Post hier erinnert mich soeben schlagartig daran! Wird vielleicht sogar am Wochenende nachgeholt :) Spielt keine Rolle, dass das Münchner Oktoberfest schon vorüber ist, oder? Darf man auch so essen…

  2. Hey lieber Marco, Frölein Kokosnuss gibt noch mal Gas vor der nächsten Reise… Soweit zumindest der Plan. Ob du’s glaubst oder nicht, genau das hab ich mir bei dem Bild auch gedacht: Wie praktisch, dass der Marco jetzt Förmchen hat. Ich bin gespannt auf weitere Muffinkreationen deinerseits. :)

    Münchner Oktoberfest und Obatzda können selbstverständlich völlig unabhängig voneinander konsumiert werden. Achtung, waschechte Münchner bitte weghören: Ich bin kein Fan von diesem Massengelage… aber Brotzeit machen, jederzeit und überall gerne!

    Na ich hoffe du kommst dazu, ist wirklich schnell gemacht der Obatzde und die Käsesorte kann natürlich nach Herzenslust variiert werden. Ihr Schweizer habt da sicher das ein oder andere Goldstück in petto. Wie war’s eigentlich beim Grillen im Erdloch?

    Liebste Grüße!

    1. Soso, wohin geht denn nun die nächste Reise?

      Und auf die nächsten Muffinkreationen bin ich selber auch gespannt! Im selben Atemzug habe ich mir sogar noch Mini-Gugelhopf-Förmchen gekauft… Backfieber oder was? ;)

      Obatzda wird definitiv nachgemacht, so viel steht fest! Muss schauen, dass ich noch dazu komme, meine „Das-will-ich-alles-demnächst-noch-kochen“-Liste wächst momentan rasant… Schuld daran ist auch die aktuelle Wildsaison! Abgesehen vom Fleisch… die Beilagen sind sicherlich auch etwas für dich, nicht?

      Kochen im Erdloch war wie immer grossartig! Wir werden jedes Mal besser und man schmeckt es auch! Wettertechnisch hatten wir schon bessere Jahre erwischt, aber die handy boys unter uns hatten relativ flink ’ne Regenplane montiert ;)

  3. Ach, jetzt kann ich mich ja endlich auch mal ans Heiraten trauen. Bisher hat mich u.a. die Vorstellung davon abgehalten, parallel zu gefühlten 500 weiteren JunggesllInnen-Abschieden in blöder Verkleidung durch die Kölner Altstadt ziehen zu müssen … aber so eine Berghütte würde ich mir gefallen lassen, tolle Idee ;-)

    Und Muffin, Brownie und Obazda stehen schon auf der Unbedingt-Ausprobier-Liste ;-)

    1. Liebe seasonette, na dann los! :D Anscheinend haben wir mit der Hütten-Idee nicht nur den Nerv unserer lieben Braut getroffen, das freut mich…
      Viel Spaß beim Ausprobieren!!
      Liebste Grüße!

  4. […] könnte ein leckeres und gesundes Picknick aussehen. Kinder werden das Fingerfood […]

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