Lieblingsstück: Russischer Zupfkuchen

Es gibt Kuchen – und es gibt Lieblingskuchen. Den einzig wahren Geburtstagskuchen, den Klassiker der Kindheit, den ein-Stück-geht-noch-Vernunftskiller. Bei mir ist das Russischer Zupfkuchen. Mittlerweile habe ich sogar eine vegane Variante im Repertoire, dieser hier ist allerdings ganz traditionell nach dem Rezept meiner Oma gebacken. Ein richtiger Familienklassiker!

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Kuchen wirkt ganz fabelhaft gegen Stress. Diese Behauptung teste ich seit Jahren empirisch. Angefangen von den Wagenladungen an Muffins, die ich während der Schulzeit für alle denkbaren Anlässe (und natürlich einfach so) gebacken habe, über Schwarzwälderkirschtorten fürs Architektenbüro bis hin zu Zebrakuchen vor wichtigen Terminen… ein Stück Kuchen zieht so manchen Mundwinkel nach oben – und das nicht nur, weil der Mund voll ist.

Dieses Wochenende steht ein ziemlich wichtiges Event an und alle im Büro arbeiten unter Hochdruck. Da können die Gemüter schon mal heiß laufen. Zur Beruhigung gibt’s ein bisschen Käsekuchen auf die geschundenen Nervenkostüme und schon läuft’s wieder wie geschmiert! Geht auch gar nicht anders, mit dem halben Pfund Butter im Kuchen (den nach dieser Aussage niemand mehr nachbacken wird, schätze ich). ;-)

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Kein Blogartikel ohne die obligatorische Besserwisserei: Warum ein Schoko-Käsekuchen mit gezupften Streuseln ausgerechnet „russisch“ sein soll, konnte mir niemand sagen, auch der Brockhaus für Arme schrägstrich Wikipedia schweigt sich aus. Kann das sein?! Fündig wurde ich schließlich bei der taz, genauer gesagt auf dem taz.blog: Die Bezeichnung „Russischer Zupfkuchen“ wurde von Dr. Oetker erfunden, im Zuge eines Rezeptewettbewerbs, und kam mit der zugehörigen Backmischung ganz groß raus.

Die detaillierte Geschichte zur Namensgebung, warum ein russischer Abend immer mit Wodka endet und eine obligatorische Prognose zur Eröffnung von Berlin-Brandenburg gibt es nachzulesen im taz-Artikel von Jakob Hein. Ich fasse zusammen:

Das „russisch“ im Zupfkuchen wurde 1992 in Bielefeld erfunden und ab 1993 per erfolgreicher Werbung ins deutsche Bewusstsein gebeamt. Der Name rührt von den dunklen Teigzupfen, die oben auf die Käsemasse aufgesetzt werden. Diese erinnern ungebacken an die Turmspitzen von russischen Kirchen.

Na sowas! Diese Ostwestfalen… ;-)

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Die Qualität der Step-by-Step-Fotos nach dem Rezept entschuldigt ihr bitte, aber mein Mitbewohner (und damit die Canon EOS 1000D) ist leider ausgezogen, woraufhin ich wieder auf meine kleine Canon Ixus 115 HS zurück greifen muss. In der Arbeit hatte ich heute zum Glück die High-End Kamera zur Hand. Außerdem besitze ich einen neuen goldenen Teller, den ich vor der Entsorgung gerettet habe…

Russischer Zupfkuchen, wie meine Oma ihn macht (für 26er Springform)

Knetteig:

  •  250 g Mehl (Dinkelmehl Typ 630)
  • 40 g Kakao
  • ½ Päckchen Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 125 g Butter
  • 1 Bio-Ei

Mehl mit Backpulver und Kakao in eine Schüssel sieben, Zucker untermischen. Butter, in kleine Stückchen geschnitten, und Ei dazu geben. Zuerst mit den Knethaken des Handrührgeräts auf höchster Stufe, dann mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten. Menge ungefähr halbieren, die eine Hälfte gut verpackt in den Kühlschrank legen.

Nervt euch Mürbteig rund ausrollen auch manchmal so? Ab jetzt nicht mehr! Hier kommt das Stapel-Prinzip: Ein feuchtes Schwammtuch unter den Boden der Springform legen, damit sie nicht rutscht. Boden leicht fetten und einen Bogen Backpapier darauf (jawohl, Papier AUF die gefettete Form, dadurch rutscht auch dieses nicht) legen. Jetzt könnt ihr die Teigkugel frustfrei auf ca. 4-5 mm Dicke ausrollen, überstehende Teigränder entfernen und aufbewahren. Jetzt den Springformrand drumrum stellen und festschnallen. Überstehendes Backpapier abschneiden, abreißen, egal, voilà!  Fehlt nur noch der Rand: Dazu aus den vom Ausrollen übrigen Teigresten dünne Teigstränge formen und ca. 2-3 cm hoch am Springformrand (vorher Einfetten nicht vergessen) mit den Fingern festdrücken. Den Boden mehrmals mit einer Gabel einstechen und ab in den Kühlschrank damit.

Quarkfüllung:

  • 500 g Quark, Magerstufe (20% Fett)
  • 125 g weiche Butter (mindestens 2h vorher aus dem Kühlschrank nehmen)
  • 125 g Zucker
  • 3 Bio-Eier
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanille-Puddingpulver
  • 2 TL echter Bourbon-Vanillezucker
  • Saft von ½ Zitrone

Den Ofen auf 175°C Ober-/Unterhitze vorheizen.

Eier trennen, Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen. Butter mit Zucker und Vanillezucker schaumig rühren, bis der Zucker anfängt, sich aufzulösen (ca. 3-4 min). Eigelbe nacheinander unterrühren, Puddingpulver, Zitronensaft und Quark dürfen jetzt auch rein und möchten verrührt werden. Zum Schluss den Eischnee vorsichtig mit einem Teigschaber unterheben.

Quarkmasse in der vorbereiteten und mit Teig ausgekleideten Springform glatt streichen. Restlichen Teig aus dem Kühlschrank holen, zu Streuseln zupfen und darüber verteilen. Ziemlich genau 60 min auf mittlerer Schiene backen. 5 min vor Ende der Backzeit die Stäbchenprobe in der Mitte der Quarkmasse machen. Sollte nichts Flüssiges mehr dran haften, ist er fertig. Den Kuchen über Nacht im Kühlschrank durchziehen lassen oder noch lauwarm genießen. Funktioniert beides sehr gut.

Und nun, hereinspaziert in meine Küche! So läuft das, wenn ich backe…

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Die Lust am Bauen und Stapeln ist wohl so ein Architektending…

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Das Kakao-Mehl-Relief erinnert mich an Felsstrukturen. Hallo Draußenklettersaison! Kanns kaum erwarten.

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Mein großer Küchentisch ersetzt oft die Arbeitsfläche. Gefährlich nah am Geschehen: Laptop und musikalische Untermalung (wer erkennt’s?).

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Form leicht fetten, Backpapier drauf legen und den Teig bis zum Rand des Bodens ausrollen. Ich hab auch fröhlich mit den Fingern nachgeholfen, wie man sieht.

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Erst nach 3-4 Minuten sind Butter und Zucker so richtig schaumig geschlagen und verbinden sich gut mit den restlichen Zutaten.

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Einstechen des Bodens ist wichtig, damit beim Backen keine zu großen Luftblasen im Teig enstehen.

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Füllung einfüllen und glatt streichen. Ready for streuseling!

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Russische Kirchturmspitzen erkenne ich hier keine… Bei mir hätte das Ding Leopardenkuchen geheißen.

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Lecker Leopardenkuchen! ;-)

 

 

 

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9 Kommentare

  1. Den muss ich dringend nachmachen, … <3

    1. Glaub mir, es lohnt sich! :)
      Liebe Grüße!

  2. Zupfkuchen ist auch mein absoluter Liebling unter allen Kuchen! Ich bin nicht so der Kuchenfan und schon gar nicht mag ich solche Staub-Kuchen. Aber Käsekuchen ist lecker und Zupfkuchen eben die Krönung davon!!! Yummy! Um den Namen habe ich mir nie Gedanken gemacht, aber das ist ja mal total interessant. Danke für die Nachhilfestunde:)

    1. Liebe Tonia, da freu ich mich aber, dass ich Deinen Geschmack getroffen habe! Zupfkuchen verdient echt die Krone und jetzt wissen wir auch, wo der Name herkommt. :) Eine schöne Woche!

  3. Mhhh fein.. einmal per Post nach Hause bitte ;)

    1. Der war leider schneller weg, als ich gucken konnte! Das allerletzte Stück gerade noch für das Foto gerettet… Freu mich schon mega auf unser Frühstück am Freitag Schwesterherz! <3

  4. Sooo, endlich krieg es auch gebacken, dass ich hier meinen Senf zu diesem herzallerliebst ausschauenden Kuchen abgeben kann. Dich erstaunt es ja wohl kaum, aber Mössio Backlegastheniker Züger hat natürlich noch nie von Zupfkuchen gehört. Vermutlich nennt sich das hier anders und ich weiss es bloss nicht :)

    So oder so: rein optisch erinnert das stark an einen gewissen Zebra-Kuchen ;) Und wenn du nächstes Mal nach Zürich kommst, dann bitte Russischen Zupfkuchen in der Tupperdose mitbringen ;)

  5. tja, wir Ostwestfalen haben’s einfach drauf! Nie habe ich (oder: werde ich wieder) stolzer den Namen meiner Geburtsstadt verkündet: Bielefeld. Da wo, Kuchen gezupft gegessen wird. Nicht geschnitten. Und heimlich, still und leise auf beste Weise überhaupt (sprich: über Essen) die Welteroberung angestrebt wird…

    *agentenkopfkino aus*

    Leopardenkuchen gefällt mir auch hervorragend als Name. und Dein Turmbau mit Weezer-Begleitung, das Kakao-Mehl-Relief – sag mal, machst Du was mit bauen und so? ;-)

    liebste begeisterte Grüße, Natalie

    PS: Du, warum ist denn da nur 1/2 Pfund Butter im Kuchen? Ich mein, was ist eigentlich mit der anderen Hüfte?? ;-)

  6. Hi,
    Ein super schöner Blog, gefällt mir wirklich sehr gut!
    Die Beiträge sind sehr interessant und man hat echt Spaß dabei hier einiges durchzulesen und sich durch den Blog zu klicken.
    Besonders das Thema „Vegetarisch“ interessiert mich sehr. Auf diesem Blog kann man zu diesem Thema übrigens auch einiges finden: http://www.vegetarischekochrezepte.de/ Vor allem findet man dort sehr leckere Veggie-Rezepte zum Nachkochen.
    Weiter so!
    LG :)

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